Care, Gender und Green Economy

Gemeinschaftlich soll ein Text zu den Verbindungen zwischen Care, Gender und Green Economy entstehen. Wir möchten Expert_innenwissen zusammenführen und den Text anschließend bei Wikipedia frei zur Verfügung stellen. Bis Anfang August konnte der Text über ein TitanPad bearbeitet werden. Nach seiner entdgültigen Fertigstellung wird es dann auf Wikipedia gestellt.

 Hier sehen Sie die vorläufige Version des Wikipedia Eintrags:

Die Verbindung von Care, Gender und Green Economy

[Stand 30.07.2014] Konfrontiert mit multiplen Krisen wie dem Klimawandel, der Finanzkrise, dem demographischen Wandel und der Energiekrise wurde die Green Economy bei der RIO+20 Konferenz 2012 zum Leitbild einer nachhaltigen Wirtschaft erklärt. Jedoch wird der Begriff Green Economy zumeist synonym mit grünem Wirtschaftswachstum und begrenzt auf umweltorientierte Wirtschaftszweige verwendet [1].

Dieses Verständnis von Green Economy ist unzureichend, denn es wertet sowohl natürliche Ressourcen als auch bezahlte und unbezahlte Sorge- und Versorgungsarbeiten für Menschen und die Natur (Care) als unendlich verfügbare Ressourcen und stellt weder bestehende Geschlechterordnungen noch unbegrenztes Wirtschaftswachstum grundsätzlich in Frage.[2] Mehr Wachstum bedeutet nicht automatisch mehr Wohlstand und effiziente Technologien und Produktionsabläufe nicht weniger Ressourcenverbrauch und eine gerechte Verteilung von Arbeit und Gewinn [3] [3a] [3b].

Um langfristig zukunftsfähig zu sein und ein gutes Leben für die jetzige wie auch kommende Generationen zu ermöglichen, brauchen wir ein ganzheitliches Verständnis von Ökonomie, das menschliche Bedürfnisse und den Schutz der Natur in den Mittelpunkt stellt.

In diesem Sinne ist es notwendig, den Begriff Green Economy umfassender zu definieren, auf alle Wirtschaftszweige auszuweiten und um Erkenntnisse aus der Care- und Gender-Forschung zu erweitern.

Eine Green Economy muss die Produktivität von (un)bezahlten Sorge- und Versorgungsarbeiten (Care) anerkennen und Arbeit in einem weiteren Sinne als bisher definieren. Darüber hinaus muss über eine gerechte Verteilung der Care-Arbeiten diskutiert werden, denn es sind traditionell Frauen, die ungleich mehr Stunden unbezahlter Care-Arbeit leisten als Männer und/oder einer Beschäftigung im schlecht bezahlten und gesellschaftlich wenig anerkannten Care-Sektor nachgehen [4]. Somit müssen bei einem ganzheitlichen Verständnis von Green Economy auch sozial konstruierte Geschlechterrollen (Gender) hinterfragt und verändert werden.

Ein ganzheitliches Verständnis von Green Economy bedeutet also nicht nur einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, sondern ebenso alle Bereiche des Wirtschaftens mit einzubeziehen.

In diesem Sinne müssen in einer Green Economy Care-Arbeiten gerechter verteilt und als gleichwertig mit anderer Arbeit anerkannt werden. Im weiteren Sinne verstanden als einen (ver)sorgenden Umgang mit der Natur und allen Menschen muss Care zum Leitprinzip allen Wirtschaftens erklärt werden [5].

Nur durch die Verbindung von Care, Gender und Green Economy können wir unsere Art des Wirtschaftens so umgestalten, dass es unserer und kommenden Generationen überall auf der Welt ein gutes Leben ermöglicht.

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[1] Vgl. Röhr, Ulrike (2011): Green Economy. Die Wirtschaft soll grüner werden – aber wird sie damit auch gerechter? In: FrauenRat. Bd. 60, H. 5, S. 2-4.

[2] Vgl. genanet und Gottschlich, Daniela (2012): Nachhaltiges Wirtschaften: Zum Verhältnis von Care und Green Economy. Hintergrundpapier. S.3.

[3] Vgl. genanet (Hrsg.) (2011): Green Economy: Gender_Gerecht! Auf dem Weg in eine ressourcenschonende und gerechte Gesellschaft. Diskussionspapier von genanet – Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit, Deutscher Frauenrat, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Frauenpolitischer Rat des Landes Brandenburg e.V., Verband deutscher Unternehmerinnen. Unter Mitarbeit von Uta Meyer-Gräwe, Ines Weller, Gülay Çaĝlar, Friederike Habermann und Daniela Gottschlich. Berlin., S.3.

[3a] Vgl. Paech, Niko (2011): Grünes Wachstum? Vom Fehlschlagen jeglicher Entkoppelungsbemühungen: Ein Trauerspiel in mehreren Akten. In: Thomas Sauer (Hrsg.): Ökonomie der Nachhaltigkeit. Grundlagen, Indikatoren, Strategien. Weimar: Metropolis (Ökologie und Wirtschaftsforschung, 91), S. 161–182.

[3b] Vgl. Santarius, Tilman (2012): Der Rebound-Effekt. Über die unerwünschten Folgen der erwünschten Energieeffizienz. Hrsg. v. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH. Wuppertal.

[4] Vgl. Schäfer, Dieter (2004): Unbezahlte Arbeit und Haushaltsproduktion im Zeitvergleich. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Alltag in Deutschland. Analysen zur Zeitverwendung. Beiträge zur Ergebniskonferenz der Zeitbudgeterhebung 2001/02 am 16./17. Februar 2004 in Wiesbaden, S. 247–273.

[5] Vgl. CaGE, Draft Working Paper I: Care, Gender, Green Economy – Erkenntnisse, Schnittstellen und blinde Flecken, Stand 5.5.2014, S. 18-19.