Bedeutet Green Economy die effiziente Produktion von Umweltgütern und Umweltdienstleistungen?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Viele sehen das so, in Deutschland beispielsweise Borderstep/Adelphi mit ihren verschiedenen Projekten zu einer Green Economy, oder das Bundesumweltministerium (BMUB) und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), die ihr Verständnis in einem „Memorandum für eine Green Economy“ darlegen. Wir haben aber ein deutlich breiteres Verständnis von grünem Wirtschaften. Für uns bedeutet grünes Wirtschaften eine Transformation des Wirtschaftssystems nicht nur zu energieeffizienterem, ressourcen- und emissionsarmem Wirtschaften, sondern ebenso zu einer gerechten Verteilung aller gesellschaftlich notwendigen Arbeiten. Mehr dazu unser Annäherungspapier.

Diskutieren Sie mit uns bei der aktuellen Frage des Monats.

Sind Green Economy und Green New Deal identische Konzepte?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Nein, nicht wirklich. Vor allem deshalb nicht, weil dem Begriff der Green Economy – ähnlich wie dem Begriff der Nachhaltigkeit – kein einheitliches Konzept zugrunde liegt und die Definitionsbreite keine klare Antwort zulässt (siehe Annäherungspapier). Der Green New Deal bezieht sich dagegen klar auf den New Deal, der als Reaktion der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre mit Reformen kurzfristig die Not lindern und vor allem die Wirtschaft ankurbeln sollte.  Das seit einigen Jahren diskutierte Konzept des Green New Deal ergänzt die sozialen und wirtschaftlichen Reformen um ökologische.

Ist Wachstum eine Voraussetzung für den Umbau zu einer Green Economy?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Wirtschaftswachstum hat immer Grenzen – ob es grün, blau oder schwarz ist. Unser Verständnis einer grünen Ökonomie basiert auf einer Wirtschaft die nur das produziert, was wirklich notwendig ist – die Güter, die wir brauchen, um ein “gutes Leben“ führen zu können. Also keinen Überfluss, keine Wegwerfprodukte, keine Produkte, deren Verfallsdatum bereits einprogrammiert ist etc. Allerdings gibt es durchaus Bereiche, die wachsen müssen: z.B. die Bildung, die Pflege, die Vorsorge. Dazu brauchen wir aber einen wirklich radikalen Umbau der Wirtschaft, und die Wahrnehmung der Erkenntnis, dass zumindest in den Industrieländern die Hoffnungen auf Wirtschaftswachstum als Problemlöser sich bereits seit den 1970er Jahren nicht mehr erfüllt haben (Seidl/Zahrnt, Postwachstumsgesellschaft, 2010:31)

Was sind häufige Kritikpunkte an Green Economy Konzepten?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Der Hauptkritikpunkt ist, dass damit keine grundlegenden Veränderungen angestrebt werden, sondern im Grunde alles beim Alten bleibt. Dazu gehört die Wachstumsorientierung (Green Economy als WachstumsmotorGreen Economy: Ein neues Wirtschaftswunder), aber auch die Fokussierung auf die Güterproduktion. Sowohl die immer stärker in die Krise geratenden personenbezogenen Versorgungsarbeiten bleiben dabei außen vor, als auch der gesamte Bereich des Konsums und der Lebensstile. Alles wie gehabt – nur etwas grüner. Das reicht nicht, meinen viele Expert_innen.

Warum wird Green Economy gerade aus dem globalen Süden so heftig kritisiert?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Zusätzlich zu der in der bereits erwähnten Kritik wird hier noch moniert, dass Green Economy ein neues Modell der Kolonialisierung sei: Der reiche globale Norden diktiert die Kriterien für eine umweltschonende, grüne Produktion und setzt damit Maßstäbe, die von ärmeren Ländern nicht eingehalten werden können. Damit einher geht die Befürchtung, dass damit die Märkte der reichen Länder für die Produkte aus armen Ländern, die nicht den grünen Standards entsprechen, geschlossen werden. Jahrhunderte der Ausbeutung und aktuelle globale Ungerechtigkeiten bleiben dabei unerwähnt. Ebenso wenig wird der Überkonsum in den Ländern des globalen Nordens erwähnt, der die Ursache für viele umweltbezogenen Krisen ist (Klima, Ressourcenverknappung etc.).