Projektvorstellung

Seit mehr als 20 Jahren fordern feministische ÖkonomInnen einen Perspektiv- und Prioritätenwechsel im vorherrschenden Wirtschaftssystem, da dieses nur funktionsfähig ist, weil es unbezahlte Sorgearbeiten (care work/economy) wie auch die reproduktiven Leistungen der ökologischen Natur als vermeintlich kostenlose und grenzenlos zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzt. Aber bis heute ist es kaum gelungen, diese Analysen, Argumente und Forderungen in die entsprechenden wissenschaftlichen, politischen und ökonomischen Debatten und Konzepte einzubinden.

Vor dem Hintergrund der u. a. durch Wachstum und Ausbeutung natürlicher und menschlicher Ressourcen entstandenen multiplen Krisen (Klimawandel, Finanzkrisen, Armut, Hunger, Ressourcenverknappung) wurde das Konzept der Green Economy und des Green New Deal zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung erklärt. Entsprechende Diskussionen prägten die Konferenz der Vereinten Nationen zu nachhaltiger Entwicklung „Rio+20“ im Juni 2012 in Rio de Janeiro und die diversen Vorbereitungstreffen der Regierungen, der Zivilgesellschaft wie auch der Wissenschaft. Deutlich wurde dabei, dass es große Wissensdefizite im Bereich der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung eines grünen Wirtschaftens gibt. Vor allem zeigen sich große Defizite bei der für Nachhaltigkeit notwendigen Verbindung zwischen den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten in der Forschung sowie in der Politik und Wirtschaft und hier besonders bei der Einbeziehung der Genderperspektive.

Mit dem am 01.11.2013 gestarteten Verbundvorhaben Care, Gender und Green Economy. Forschungsperspektiven und Chancengerechtigkeit nachhaltigen Wirtschaftens (CaGE) soll das Innovationspotential der Genderforschung zu Care in den Wirtschafts- und Umwelt-/Naturwissenschaften gestärkt werden. Innovative Ansätze sollen identifiziert und durch verschiedene Instrumente (Vernetzung, Wissens- und Kommunikationsplattform, Wissenschaft-Praxis-Dialoge, Working Paper), die an unterschiedliche Zielgruppen angepasst werden, kommuniziert und dadurch für wissenschaftliche Impulse und gesellschaftliche Veränderungen nutzbar gemacht werden. Darüber hinaus sollen Strategien zur Integration der Gender-Dimensionen und Care-Aspekte in die Forschung im Bereich nachhaltigen Wirtschaftens/Green Economy entwickelt werden und Strategien zur Chancengerechtigkeit in diesen Forschungsbereichen ausgearbeitet werden.
Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderte Projekt wird in zwei Teilvorhaben durchgeführt.

Im Teilvorhaben 1: Strategien zur Integration von Care in die Green Economy und Vernetzung von AkteurInnen werden durch LIFE e.V. mit Unterstützung der Leuphana Universität integrierende Ansätze in der Forschung zu Gender, Care und Green Economy identifiziert, um daraus Strategien und Empfehlungen zur Integration der Genderdimensionen in die Forschung zu nachhaltigem Wirtschaften/Green Economy sowie zur Chancengerechtigkeit und Gleichstellung in diesen Forschungsbereichen zu entwickeln. Durch einen ExpertInnen-Workshop und einen Wissenschafts-Praxis-Dialog werden Impulse für wissenschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen gegeben.

Das Teilvorhaben 2 fokussiert auf den Themenbereich Wissenschaftliche Einrichtungen, Care und Green Economy und untersucht die Rolle wissenschaftlicher Einrichtungen für die Integration von Care und Gender in die Green Economy. Ziel ist es, Strategien und Empfehlungen für eine innovative Wissenschaftspolitik und zukunftsfähige wissenschaftliche Einrichtungen zu entwickeln, um ihre Rolle in der Umsetzung notwendiger gesellschaftlicher Transformationsprozesse aufzuzeigen und zu stärken. Im Rahmen eines Wissenschafts-Praxis-Dialoges werden die Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert. Das Teilvorhaben wird von der Freien Universität Berlin durchgeführt.

Zur gemeinsamen Nutzung beider Verbundpartner wird vom Teilvorhaben 1 diese Wissens- und Kommunikationsplattform aufgebaut, die gleichzeitig als Diskussionsforum für das aufzubauende Netzwerk von Wissenschaftlerinnen dienen und so für die nachhaltige Umsetzung der Projektergebnisse sorgen soll. Gleiches gilt für die Abschlusskonferenz, bei der die Ergebnisse beider Verbundprojekte zur Diskussion gestellt werden sowie für die gemeinsame Abschlusspublikation.

Laufzeit: 1.11.2013 bis 31.10.2014

Verbundpartner: LIFE e.V. und Freie Universität Berlin, in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg

Gesamtkoordination: Ulrike Röhr, LIFE e.V.

Das Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, und Forschung unter den Förderkennzeichen 01FP1311 und 01FP1312 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt der Internet-Plattform liegt bei den Herausgeberinnen.