Für ein Leben nach dem Wachstum

Oktober 23, 2014 in Allgemein von Ulrike Roehr

Die Green Economy wird ihren eigenen Ansprüchen, einer globalen Win-Win-Situation in Sachen Ökonomie, Ökologie und soziale Teilhabe aller, nicht gerecht. Beate Littig gibt in ihrem Beitrag im FREITAG eine Antwort auf die Frage, wie es weitergehen kann, wenn die Zeiten des Wachstums vorbei sind. Aus der aufkeimenden Degrowth-Bewegung gäbe es darauf unterschiedliche Antworten: reformistische, neomarxistische, feministische oder grün-alternative etwa. Was sie alle eine, sei die Umverteilung der vorhandenen Erwerbsarbeit bei einer Arbeitszeit von max. 30 Wochenstunden. Ebenso geht es um die Erweiterung des herrschenden Arbeitsbegriffs – und zwar auf die gesamte gesellschaftlich notwendige Arbeit.

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Männer an die Windeln! Aber wie?

Juli 7, 2014 in Frage des Monats von Nanna Birk

In Deutschland, wie auch in den meisten Ländern, wird Care-Arbeit, also die Erziehungs-, Pflege-, und Sorgearbeit überwiegend von Frauen ausgeführt – ob bezahlt oder unbezahlt. Bei berufstätigen Frauen führt das zu einer Doppelbelastung durch produktive und reproduktive Arbeit mit der Folge, dass Frauen im Durchschnitt wesentlich mehr arbeiten und wesentlich mehr Verantwortung tragen müssen als Männer. Gleichzeitig beeinflusst diese traditionelle Verteilung der Care-Arbeit massiv die Entscheidung von Frauen, in welchem Umfang und welcher Art von bezahlter Arbeit sie nachgehen möchten. Wird Care-Arbeit an externe, bezahlte Dienstleister delegiert, z.B. an Pflegeheime, Kindergärten, etc. wird sie auch dort in aller Regel von Frauen, zunehmend von Migrantinnen aus osteuropäischen Ländern, als gering entlohnte Anstellung, die kaum gesellschaftliche Anerkennung erfährt, erledigt.

Bei der Diskussion über ein ganzheitliches Verständnis einer Green Economy, die Raum, Zeit und Anerkennung für Care-Arbeit einschließt, muss also die noch immer ungelöste Frage aufgebracht werden, wie Männer dazu gebracht werden können mehr Sorgearbeit zu übernehmen.

Diese Diskussion umfasst mehrere Aspekte:

Von wem soll Care-Arbeit in einer Green Economy übernommen werden? Soll sie staatlich organisiert und von bezahlten Dienstleistern oder privat und unentgeltlich verrichtet werden? Oder gibt es noch andere Lösungen dazwischen?

Wie kann das traditionelle Rollenverständnis vom Mann als Ernährer der Familie und der Frau als Fürsorgerin aufgebrochen werden?

Was muss passieren, damit die traditionelle Zuweisung der Care-Arbeit an Frauen nicht zu Nachteilen in der Karriere führen? Wieso ist Mutterschaft ein Karrierehindernis und Armutsrisiko und Vaterschaft ein Karriereschub und geht mit höherem Einkommen einher? Welches Potenzial haben Ideen wie die, den Nachweis von Care-Arbeit zum Kriterium für Führungspositionen zu etablieren?

Welche Maßnahmen können dazu führen Raum, Zeit und Anerkennung für Care-Arbeit in einer Green Economy zu schaffen? Welches Potential haben flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing oder die 32-Stunden Woche?

Wie können Männer an die Windeln der Jungen und Alten gebracht werden?

Was hat Green Economy mit Care/Gender zu tun?

April 6, 2014 in Frage des Monats von Ulrike Roehr

Eine Green Economy im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens bedeutet für uns eine Gesellschaft, in der neben technologischen Neuerungen und der Schaffung „grüner“ Arbeitsplätze vor allem soziale Gerechtigkeit eine zentrale Bedeutung hat. Unsere Ökonomie basiert auf der gesellschaftlichen Reproduktion durch die, vorrangig von Frauen und Migrantinnen geleistete, unbezahlte Hausarbeit und bezahlten Pflege- und Sorgearbeiten. Darüber hinaus ist das Wirtschaften abhängig von der Reproduktionsfähigkeit von Natur(en).

Die Arbeit in den Haushalten übersteigt stundenmäßig jene der Erwerbsarbeit. Insgesamt ist der Care-Sektor einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren und gleichzeitig ist Sorge- und Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege am schlechtesten entlohnt und hat gesellschaftlich einen geringen Stellenwert. In der Krise verschärft sich die Situation, da die im Bereich der Care-Ökonomie geleistete Arbeit ebenso weiter rationalisiert werden soll. Care-Arbeiten sind jedoch charakterisiert durch zwischenmenschliche Beziehungen. Die Sorge füreinander, Pflegetätigkeiten und Kindererziehung können nicht immer effizienter und schneller werden. Die gängigen Konzepte zur Green Economy berücksichtigen diese Aspekte nicht, obgleich sie als neue Wirtschafts- und in Teilen sogar Gesellschaftsmodelle verstanden werden.

Nachhaltiges Wirtschaften erfordert nicht nur eine noch ökologischere Produktion, sondern vielmehr geht es darum, grundlegender Umzudenken, menschliche Interessen und Bedürfnisse zu berücksichtigen und Bereiche, wie bspw. Bildung, Gesundheitsversorgung, Pflege und Sorge (für andere) in angemessener Qualität und für alle Menschen zu sichern. Nicht nur aus Genderperspektive erfordert Green Economy somit auch eine Neudefinition und Umverteilung von Arbeit(en), ein anderes Verständnis von Wirtschaften und die Berücksichtigung ungleicher Geschlechter- und Machtverhältnisse.

Wir möchten mit Ihnen diskutieren, wo Sie Verbindungen sehen zwischen Care/Gender und Green Economy im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens – seien es konkrete Projekte und Praxisbeispiele oder theoretische Verknüpfungen…

Was hat Green Economy mit Gender zu tun?

Januar 21, 2014 in FAQ von Ulrike Roehr

Viel. Das fängt an bei dem stark auf technische Lösungen fokussierenden Verständnis einer grünen Ökonomie, das soziale Aspekte völlig außen vor lässt. Arbeitsplätze werden damit vorrangig in Bereichen geschaffen, in denen Frauen deutlich unterrepräsentiert sind (Sustainlabour 2009, Littig 2013). Der gesamte Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen, ob sie nun (schlecht) bezahlt sind oder völlig unentgeltlich geleistet werden, bleibt dabei außen vor. Hier wird aber die Grundlage jeglichen Wirtschaftens geschaffen, ohne die keine Ökonomie bestehen kann. Ein innovatives, umfassendes Ökonomiekonzept böte die Möglichkeit, die bisher getrennten Bereiche wieder zu verbinden.