Männer an die Windeln! Aber wie?

Juli 7, 2014 in Frage des Monats von Nanna Birk

In Deutschland, wie auch in den meisten Ländern, wird Care-Arbeit, also die Erziehungs-, Pflege-, und Sorgearbeit überwiegend von Frauen ausgeführt – ob bezahlt oder unbezahlt. Bei berufstätigen Frauen führt das zu einer Doppelbelastung durch produktive und reproduktive Arbeit mit der Folge, dass Frauen im Durchschnitt wesentlich mehr arbeiten und wesentlich mehr Verantwortung tragen müssen als Männer. Gleichzeitig beeinflusst diese traditionelle Verteilung der Care-Arbeit massiv die Entscheidung von Frauen, in welchem Umfang und welcher Art von bezahlter Arbeit sie nachgehen möchten. Wird Care-Arbeit an externe, bezahlte Dienstleister delegiert, z.B. an Pflegeheime, Kindergärten, etc. wird sie auch dort in aller Regel von Frauen, zunehmend von Migrantinnen aus osteuropäischen Ländern, als gering entlohnte Anstellung, die kaum gesellschaftliche Anerkennung erfährt, erledigt.

Bei der Diskussion über ein ganzheitliches Verständnis einer Green Economy, die Raum, Zeit und Anerkennung für Care-Arbeit einschließt, muss also die noch immer ungelöste Frage aufgebracht werden, wie Männer dazu gebracht werden können mehr Sorgearbeit zu übernehmen.

Diese Diskussion umfasst mehrere Aspekte:

Von wem soll Care-Arbeit in einer Green Economy übernommen werden? Soll sie staatlich organisiert und von bezahlten Dienstleistern oder privat und unentgeltlich verrichtet werden? Oder gibt es noch andere Lösungen dazwischen?

Wie kann das traditionelle Rollenverständnis vom Mann als Ernährer der Familie und der Frau als Fürsorgerin aufgebrochen werden?

Was muss passieren, damit die traditionelle Zuweisung der Care-Arbeit an Frauen nicht zu Nachteilen in der Karriere führen? Wieso ist Mutterschaft ein Karrierehindernis und Armutsrisiko und Vaterschaft ein Karriereschub und geht mit höherem Einkommen einher? Welches Potenzial haben Ideen wie die, den Nachweis von Care-Arbeit zum Kriterium für Führungspositionen zu etablieren?

Welche Maßnahmen können dazu führen Raum, Zeit und Anerkennung für Care-Arbeit in einer Green Economy zu schaffen? Welches Potential haben flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing oder die 32-Stunden Woche?

Wie können Männer an die Windeln der Jungen und Alten gebracht werden?